Welche Hochdividendenwerte gibt es? Teil 4: Royalty Trust

Jeder Einkommensinvestor, der Hochdividendenwerte sucht, wird früher oder später auf den Begriff "Royalty Trust" stoßen. Dabei geht es um eine spezielle Form des Rohstoff-Investments mit dem Ziel, fortlaufende Erträge zu erzielen. Royalty Trusts findest du in erster Linie in den Vereinigten Staaten und in Kanada. Sie sind dort in der Regel an der Börse notiert. 

 

Bei einem Royalty Trust handelt es sich genau genommen um ein Finanzierungs-Vehikel, das gerne von Öl- und Gasfirmen oder Bergbauunternehmen genutzt wird, um Kapital für Investitionen einzusammeln. Manchmal wird das Trust-Konstrukt auch in anderen Bereichen (u.a. Pharma, Franchising) eingesetzt. Formal stellt der Trust zwar ein rechtlich selbständiges Unternehmen dar, er betreibt allerdings kein operatives Geschäft, sondern fungiert nur als Kapitalsammelstelle.

 

Lizenzeinnahmen generieren hohe Ausschüttungen 

 

Dementsprechend beschränken sich Management und Betriebsorganisation auf ein Minimum. In der Regel werden Royalty Trusts von Banken verwaltet, mit denen die betreffenden Rohstoffproduzenten kooperieren. Das "Geschäftsmodell" eines Royalty Trusts ist einfach. Es besteht aus der Erzielung von Lizenzeinnahmen als Gegenleistung für die Förderung von Rohstoffen durch den Rohstoffproduzenten aus dem Trust zugeordneten Rohstoff-Feldern und Lagerstätten. Diese Lizenzeinnahmen bilden praktischen den alleinigen Ertrag des Trusts, dem aufgrund der "schlanken" Organisation nur sehr geringe Aufwendungen gegenüberstehen. 

 

Ähnlich wie bei REITs findet bei Royalty Trusts nur eine Besteuerung auf Anteilseigner-Ebene statt, wenn das Gros der Gewinne (= Lizenzeinnahmen) ausgeschüttet wird. Diese Steuerbegünstigung wird durchweg genutzt. Deshalb sind Royalty Trusts Hochdividenendenwerte per se. Die meisten Royalty Trusts sehen unterjährige - meist quartalsmäßige - Ausschüttungen vor. Dadurch ist ein kontinuierlicher Zahlungsstrom wie bei einem regelmäßigen Einkommen gewährleistet. Die daraus generierten Dividendenrenditen können erheblich sein und Größenordnungen von 8 Prozent bis 16 Prozent erreichen. 

 

Kontinuierlich, aber nicht konstant 

 

Kontinuierliche Zahlungen bedeutet allerdings nicht unbedingt konstante Zahlungen. Die Lizenzgebühren sind üblicherweise an die geförderte Rohstoffmenge gekoppelt und auch an den jeweiligen Rohstoffpreis. Die Ausschüttungen schwanken daher entsprechend und wenn ein Feld oder eine Lagerstätte erschöpft ist, versiegt die Einkommensquelle womöglich ganz. Der Trust wird dann in der Regel aufgelöst. Das ist zumindest in den USA so, denn dort darf ein Royalty Trust über seinen Bestand keine zusätzlichen Flächen erwerben, in Kanada dagegen schon. 

 

Diese schwankenden Aussichten führen im Übrigen auch zu Schwankungen bei den Aktienkursen. Eine Royalty Trust-Aktie ist volatiler als eine REIT-Aktie. Die Aktien reagieren auf sich ändernde Rohstoffpreise, aber auch auf Zinsentwicklungen. Bei steigenden Zinsen sinken die Kurse tendenziell, bei niedrigeren Zinsen steigen sie. Die Kursentwicklung mag für dich als Einkommensinvestor eher von nachrangiger Bedeutung sein. Für andere Investoren aber nicht, hier werden Royalty Trust-Aktien auch spekulativ genutzt - als Alternative zu Termingeschäften oder Derivate-Handel. 

 

Gut zur Risikostreuung 

 

Interessant sind Royalty Trust für dich als Einkommensinvestor auch, wenn es um Diversifizierung in unterschiedlichen Anlageklassen geht. Rohstoffe sind mit anderen Anlageklassen nur wenig korreliert und bieten daher einen guten Risikostreuungseffekt.