Ab wann bin ich finanziell unabhängig?

Finanzielle Unabhängigkeit - ein Traum, den viele hegen, aber nur wenige wahr machen. Das ist nicht nur eine Frage der Einnahmen. Oft fehlt es an Planung, Durchhaltevermögen und der richtigen Strategie. Denn man muss kein Multimillionär sein, um dieses Ziel zu erreichen.

 

Im Allgemeinen spricht man von finanzieller Unabhängigkeit oder Freiheit, wenn die passiven - das heißt nicht durch aktive Arbeit erworbenen - monatlichen Einkünfte die Ausgaben mindestens abdecken, und zwar nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft. Üblicherweise wird noch ein Sicherheitspuffer für mögliche Schwankungen bei Einnahmen und Ausgaben einkalkuliert. 

 

Finanziell unabhängig - es kommt darauf an 

 

Schon daraus folgt: einen allgemeingültigen Wert für finanzielle Freiheit kann es nicht geben. Er hängt stets von individuellen Lebensumständen, dem angestrebten Lebensstandard und der Lebensplanung ab. Eine wichtige Rolle spielt auch die Ertragskraft (Rendite) der zur Einkommenserzielung dienenden Vermögensanlagen und ob mit oder ohne Kapitalverzehr kalkuliert wird. 

 

Ein Beispiel dazu: angenommen sei ein Haushalt mit monatlichen Lebenshaltungskosten von 2.500 Euro (inkl. Sicherheitspuffer). Bei einer Kapitalrendite von 2,5 Prozent p.a. und ohne Kapitalverzehr würde sich ein Kapitalbedarf (= Betrag für finanzielle Freiheit) von 1,216 Mio. Euro ergeben. In diesem Fall würde das Vermögen für monatliche Entnahmen von 2.500 Euro ausreichen und nie aufgebraucht werden. Könnte das Vermögen für 5 Prozent angelegt werden, würde sich der Kapitalbedarf auf 0,616 Mio. Euro fast halbieren. Lässt man über 25 Jahre vollständigen Kapitalverzehr zu, sinkt der Kapitalbedarf bei 2,5 Prozent Rendite auf 0,560 Mio. Euro, bei 5 Prozent auf 0,434 Mio. Euro. 

 

Kein Problem - als Zuschuss zur Rente 

 

Vier Szenarien mit Vermögen für den gleichen Lebensstandard von 0,434 Mio. Euro bis 1,216 Mio. Euro. Der grundlegende Unterschied bei den Modellen ist, dass das Vermögen bei Kapitalverzehr nach 25 Jahren aufgebraucht ist und kein weiteres Einkommen erzielt wird, während es ohne Kapitalverzehr "ewig" weiterläuft. Natürlich ist auch das Ausgabenverhalten von Bedeutung. Mit 2.500 Euro im Monat kann man gut leben, aber keine großen Sprünge machen. Wer das Doppelte ausgeben will, braucht das doppelte Vermögen. 

 

Oft ist es aber gar nicht notwendig, die Monatsausgaben komplett aus Kapitalvermögen darzustellen. Nämlich dann, wenn auch noch eine Rente bezogen wird. Bei 2.000 Euro Rente reichen bereits knapp 87.000 Euro Kapital (bei Kapitalverzehr, 5 Prozent Rendite), um die monatliche Lücke von 500 Euro zu decken. So etwas lässt sich zum Beispiel mit einem dividendenorientierten Sparplan relativ problemlos erreichen. Es muss nur gut geplant und vorbereitet sein.