Kritik an der Dividendenstrategien

Als Dividendenstrategie wird systematisches Aktieninvestment in dividendenstarke Werte bezeichnet, um ein regelmäßiges und möglichst hohes Dividendeneinkommen zu erzielen. Ein wichtiges Argument dabei: Dividenden sind sicherer kalkulierbar und unterliegen geringeren Schwankungen als Kurse. 

 

Das scheint auf den ersten Blick einleuchtend. Dennoch gibt es Kritik an Dividendenstrategien. Sie kommt aus unterschiedlichen Richtungen. In diesem Beitrag möchten wir uns mit einigen Kritiker-Argumenten befassen und sie näher beleuchten. 

 

Dividenden irrelevant? Theorie und Praxis 

 

Die wissenschaftliche Diskussion über das Thema wurde bereits vor Jahrzehnten geführt. Grundlegend war ein 1961 veröffentlicher Aufsatz der US-Finanzprofessoren Franco Modigliani und Merton Miller. Darin führten sie den Nachweis, dass unter idealtypischen Bedingungen die Dividendenpolitik für den Unternehmenswert und damit auch den Erfolg eines Aktieninvestments irrelevant ist. Es macht demnach keinen Unterschied, ob ein Unternehmen Gewinne ausschüttet oder Rücklagen bildet. Bei Ausschüttung bestehen aus Aktionärssicht die Rückflüsse aus Dividenden, bei Thesaurierung aus Kursgewinnen. Die Summe bleibt gleich. 

 

Die Beweisführung von Modigliani-Miller ist unstrittig. In der Theorie-Welt stimmt ihre Aussage. Allerdings wird ihre Erkenntnis wegen der unrealistischen Prämissen in Frage gestellt. So gehen beide Professoren von einem vollkommenen Kapitalmarkt mit jederzeitiger Informationstransparenz und -effizienz aus. Außerdem wird von Transaktionskosten und Steuern abstrahiert. Gerade beim Thema Steuern gerät die These aber schon ins Wanken. Denn ausgeschüttete Gewinne werden zumindest im deutschen Steuerrecht anders behandelt als einbehaltene. Die Gewinnverwendung kann danach sehr wohl Einfluss auf den Unternehmenswert haben. Ein eindeutiger Vorteil einer ausschüttungsorientierten Politik lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

 

Faktorprämien und Dividenden-Irrtümer 

 

Eine andere Kritik setzt an der beobachteten Überperformance dividendenstarker Werte an. Diese wird tatsächlich öfter gemessen und auch nicht in Frage gestellt - wohl aber die Erklärung, es liege an den hohen Dividenden. Dabei verweist man darauf, dass es sich in vielen Fällen um Value-Titel, Quality-Aktien oder schwankungsarme Werte handelt - also Aktien, für die am Markt aufgrund ihrer spezifischen Merkmale Faktorprämien gezahlt werden. Diese seien der eigentliche Grund für Überrenditen, die Dividendenpolitik sekundär. 

 

Ein dritter Kritikansatz sieht in Fehleinschätzungen die Ursache für eine "übermäßige" Bewertung von Dividendentiteln. Viele Akteure hielten Dividenden für eine Art "Zinsersatz" und übersähen grundlegende Unterschiede zu verzinsten Geldanlagen. Auch im Hinblick auf Aktienkurse werde die Dividendensicherheit oft überbewertet, was ebenfalls zu Verzerrungen in der Marktbewertung führe. Solche Irrtümer könnten aber den Wert von Dividendentiteln nicht dauerhaft prägen, daher sei es fragwürdig, darauf eine Strategie aufzubauen. 

 

So viel erst einmal zur Kritik. In unserem nächsten Beitrag befassen wir uns damit, warum es trotzdem sinnvoll sein kann, Dividendeninvestor zu sein.