Von Dividenden leben - wie manage ich als Dividenden-Sofortrentner meine Liquidität?

Glücklich darf sich schätzen, wer alleine von seinen Dividenden leben kann - ein Leben frei von der Mühsal der Arbeit. Ein Start als Sofortrentner ist möglich. Weniger Glückliche warten doch lieber die Rente ab, bauen sich aber zugleich ein ansehnliches Aktienvermögen als Altersvorsorge auf. Das Dividendeneinkommen dient dann sozusagen als Zusatzrente. 

 

Unter welchen Prämissen das Aktienvermögen auch gebildet wird, eine Dividendenstrategie ist stets sinnvoll. Wenn gezielt auf Hochdividendenwerte gesetzt wird, lässt sich das Einkommensziel früher erreichen und es reicht weniger Aktienvermögen. Ein einfaches Beispiel macht das deutlich. Bei einem Aktienvermögen von 350.000 Euro ist eine Dividendenrendite von 1,8 Prozent gleichbedeutend mit einem jährlichen Dividendeneinkommen von 6.300 Euro. Bei 3,9 Prozent Dividendenrendite sind es bereits 13.650 Euro. 

 

Zeitliche Disparität und Dividendenrisiko 

 

Auch nach Erreichen des Vermögensziels gilt es einiges zu beachten. Um von Dividenden leben zu können, bedarf es eines sorgfältigen Liquiditätsmanagements. Denn Dividenden fließen nicht kontinuierlich, bei vielen Aktienwerten erfolgt nur einmal jährlich eine Dividendenausschüttung - und zwar unmittelbar im Anschluss an die jeweilige Hauptversammlung. Bei Unternehmen mit dem Kalenderjahr als Geschäftsjahr finden Hauptversammlungen meist im zweiten Quartal statt. Mehrfache Dividendenzahlungen unterhalb des Jahres sind bei uns die Ausnahme, in den USA kommen sie häufig vor. 

 

Für Dividendeneinkommen bedeutet das, dass je nach Portfolio-Zusammensetzung Einnahmen in den Monaten April bis Juni reichlich fließen, während im Rest des Jahres Flaute herrscht. Außerdem sind Dividenden zwar insgesamt relativ stabil, können aber dennoch schwanken. Mit einem gut gestreuten Aktien-Portfolio lässt sich dieses Risiko reduzieren, jedoch nicht ganz vermeiden. Bei großen Einbrüchen wie der Finanzkrise kann es zu Dividendenkürzungen auf breiter Front kommen. Das ist mit berücksichtigen. 

 

Viele Ausgaben zur Bestreitung des Lebensunterhalts fallen fortlaufend an. Jeden Monat ist Miete zu zahlen, Ausgaben für Nahrungsmittel, Kleidung, Wagenbetankung, Hygiene usw. werden wöchentlich oder sogar täglich getätigt. Hinzu kommen Einmalausgaben im Jahresverlauf wie Kfz-Steuer, Versicherungsprämien, Anschaffungen, Urlaubsbudget usw.. Zusammengefasst heißt das: Einnahmen- und Ausgabenströme weisen starke zeitliche Disparitäten mit Über- und Unterdeckungen auf, die ausgeglichen werden müssen. 

 

Liquiditätspuffer und Dividendenreserve 

 

Um das zu erreichen, bedarf es eines Liquiditätspuffers, der den Ausgleich ermöglicht. Dieser kann aus einem Tagesgeldkonto bestehen, aus dem jeden Monat eine "Rente" auf das Girokonto umgebucht wird. Dividendenerträge füllen dann das Tagesgeldkonto wieder auf. Der Puffer muss so bemessen sein, dass die laufende Rentenzahlung sichergestellt ist. Um Dividendenschwankungen auszugleichen, empfiehlt sich außerdem eine Dividendenreserve. Das ist ein Kapitalstock aus nicht verbrauchten Dividenden. Diese Sicherheitsrücklage garantiert das Einkommen in schlechten Dividendenzeiten, funktioniert aber nur, wenn sie wieder aufgefüllt wird. 

 

Die Ultima Ratio bei "Dividendenknappheit" sind Ausgabenbeschränkungen. Allerdings lässt sich nur bei den sogenannten variablen Ausgaben sparen und das auch nur in begrenztem Umfang. Fixe Ausgaben wie Miete, Versicherungen oder Kfz-Steuer müssen auch bezahlt werden, wenn die Einnahmen fehlen. Auf jeden Fall sollte das Dasein als Dividenden-Rentner gut vorbereitet sein - zum Beispiel mit einer Übergangsphase, in der der Liquiditätspuffer und die Dividendenreserve erst einmal aufgebaut werden. Danach kann das Leben als Rentier starten.