Rebalancierung für Einkommensinvestoren

Rebalancing ist eine Aufgabe für jeden Investor, der nicht alles auf eine Karte setzt, sondern Anlagen breit streut. Auch Einkommensinvestoren, die mit Aktien ein gutes Zusatzeinkommen erzielen wollen, sollten ihr Portfolio von Zeit zu Zeit überprüfen und gegebenenfalls Umschichtungen vornehmen. 

 

Eine Dividendenstrategie beruht idealerweise auf einem ausgewogenen Mix aus dividendenstarken Werten. Damit soll ein angemessenes Verhältnis von Rendite und Risiko hergestellt werden. Die Streuung an sich hat einen risikomindernden Effekt. Bereits mit einem Dutzend Aktientiteln aus unterschiedlichen Branchen lässt sich eine gute Näherung an den Markt erreichen. Doch wie und warum kommt Rebalancing ins Spiel? 

 

Der Sinn und Zweck des Rebalancing 

 

Die Erklärung ist einfach. Portfolio-Strukturen sind nicht statisch, sondern verändern sich. Einige Werte performen sehr gut und legen mit der Zeit an Wert zu. Andere laufen schlechter. Dadurch verschiebt sich die Portfolio-Struktur und entspricht nicht mehr der ursprünglichen Zusammensetzung. Gut performende Werte erhöhen ihren Anteil, schlecht performende verlieren an Gewicht. Auch bei den einzelnen Aktien bleibt das Verhältnis von Rendite und Risiko nicht immer gleich. Ein Portfolio ist fast ein lebender Organismus. Wenn der aus dem Gleichgewicht gerät, muss er wieder in die Balance gebracht werden. Das ist Sinn und Zweck des Rebalancing. 

 

Rebalancing hat verschiedene Vorteile: 

 

- es ist ein systematischer Prozess und verhindert erratische Anlage-Entscheidungen;

- richtiges Markttiming wird weniger relevant, der Markt muss nicht permanent beobachtet werden;

- antizyklisches Handeln wird tendenziell begünstigt, das kann sich positiv auf die Performance insgesamt auswirken;

- richtig gemacht, ist der Aufwand für Portfolio-Umschichtungen überschaubar;

- das angestrebte Verhältnis von Rendite und Risiko bleibt gewahrt. 

 

Wie funktioniert Rebalancing am besten? 

 

Es gibt kein Patentrezept, wie Du am besten Umschichtungen vornehmen solltest. Ein generell guter Rat ist, es nicht zu übertreiben. Ein bis zwei Überprüfungen des Portfolios pro Jahr reichen aus. Ob dann eine Rebalancierung stattfindet, hängt von den eingetretenen Veränderungen ab. Bei geringfügigen Verschiebungen solltest Du darauf verzichten und lieber den nächsten Termin abwarten. Denn jede Umschichtung verursacht Transaktionskosten, die erst verdient sein wollen. Hilfreich ist, sich Marken für Anpassungen zu setzen - zum Beispiel: eine Neustrukturierung erst durchzuführen, wenn sich das Gewicht um mehr als 10 Prozent verschoben hat. 

 

Technisch funktioniert das Rebalancing so, dass Du überrepräsentierte Werte im Portfolio verkaufst und dafür unterrepräsentierte nachkaufst - solange, bis die ursprüngliche Struktur wiederhergestellt ist. Das bedeutet gleichzeitig, dass Du Dich von Werten mit überproportionalen Kursgewinnen trennst und in Titel mit kleinen Gewinnen oder gar Verlusten investiert. Das fällt manchem Dividendeninvestor schwer. Bei zyklischen Kursverläufen kann sich das trotzdem auszahlen. 

 

Allerdings folgt nicht jedes Papier einem solchen Zyklus. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, einzelne Aktien zu prüfen, ob ein Verbleib im Portfolio Sinn macht und andere an ihre Stelle treten sollten. Die Rendite-Risiko-Struktur ist aber zu erhalten. Eine andere Möglichkeit des Rebalancing sind Zukäufe. Alle Papiere bleiben dann im Portfolio. Unterrepräsentierte Titel werden mit verfügbarer Liquidität zugekauft, bis die Struktur wieder stimmt. Das hat den Vorteil, dass nur Kosten für den Kauf anfallen und steuerpflichtige Veräußerungsgewinne vermieden werden.