Achtung - Augen auf bei der richtigen Entnahmestrategie zum Rentenbeginn

Wer sich als Dividendeninvestor über die Jahre ein ordentliches Depot aufgebaut hat, möchte auch davon profitieren. Dies ist oft spätestens im Zusammenhang mit dem Rentenbeginn der Fall. Glücklich kann sich schätzen, wer schon früher von den Erträgen seines Aktiendepots leben kann. Doch wie sieht das überhaupt mit dem Zugriff auf das eigene Portfolio aus? Wie viel Entnahmen kann man sich leisten, wie sollte man dabei vorgehen - kurz: wie sieht die richtige Entsparstrategie aus? 

 


Ein Dividendeninvestor legt es von vornherein darauf an, mit seinem Aktienvermögen, regelmäßige und vergleichsweise konstante Erträge zu erzielen. Deshalb wird gezielt auf Dividendenwerte gesetzt. Eine einfache Entsparstrategie könnte daher darin bestehen, einfach nur die Dividenden zu entnehmen. Mit einer solchen "Dividendenstrategie" ließe sich ein einigermaßen kontinuierlicher Zahlungsstrom generieren.

 

Vier Prozent, um das Vermögen nicht aufzubrauchen

 

Allerdings ist das nicht unbedingt zielführend. Bei den meisten Investoren reichen trotz der Fokussierung auf Dividendenwerte die Erträge aus Dividenden nicht, um eine angemessene Zusatzrente zu realisieren. Außerdem wäre es verfehlt, Kursgewinne bei Entnahmen ganz außer Acht zu lassen, auch wenn sie bei Dividenden-Titeln vielleicht weniger stark ausgeprägt sind. Im Prinzip sind auch Kursgewinne Erträge, die sich entnehmen lassen. Das Problem besteht nur darin, dass Aktienkurse schwanken. Nachhaltige Wertsteigerungen zeigen sich erst im Zeitablauf. Was ist dann die "richtige" Entnahme?

Mit dieser Frage haben sich bereits vor zwanzig Jahren Wissenschaftler der Trinity University in Texas befasst. Die sogenannte "Vier-Prozent-Regel" ist das Ergebnis der Trinity-Studie. Die Forscher legten ihrer Untersuchung ein fiktives Portfolio aus dem Jahre 1925 zugrunde, das zu je 50 Prozent aus - gut gestreuten - US-Anleihen und Aktien bestand und untersuchten, wie viel man davon hätte regelmäßig entnehmen können, ohne das Vermögen innerhalb von drei Jahrzehnten vollständig zu verbrauchen. Diese Analyse wurde für alle 30-Jahres-Zeiträume seit 1925 wiederholt. Dabei zeigte sich, dass bei einer Entsparstrategie mit jährlichen konstanten Entnahmen in Höhe von vier Prozent des Startvermögens stets ein Restvermögen übrig blieb. Das funktionierte sogar, wenn die jährliche Entnahme der Inflationsrate angepasst wurde.

Eine gute Orientierung, aber kein Naturgesetz


 Die Vier-Prozent-Regel ist eine gute Orientierung für Menschen, die am Beginn ihrer Rente stehen und (auch) von ihrem Ersparten leben möchten, wenn dies nicht nur aus festverzinslichen Anlagen, sondern auch aus Investments mit Wertschwankungen besteht. Der in der Trinity-Studie unterstellte 30 Jahres-Zeitraum passt dabei gut zum "normalen" Renteneintrittsalter um die 65 herum. Selbst bei gestiegener Lebenserwartung erreichen nur wenige ein Alter von über 95. Wer ab Rentenbeginn die Vier-Prozent-Regel befolgt, wird also ziemlich sicher sein Vermögen zu Lebzeiten nie ganz verbrauchen. 

 

Allerdings sollte man die Vier-Prozent-Regel nicht wie ein Naturgesetz ansehen. Sie funktioniert beim unterstellten 50/50-Portfolio und auf der Basis des empirischen US-Befundes. Bei abweichenden Portfolio-Zusammensetzungen und einer anderen Datengrundlage kann das Resultat abweichen. Auch ist die Regel recht grob. Verfeinerungen sind möglich.